Leseproben aus 'die fantastische Weltreise'


Veröffentlichung Juni 2026

Leseprobe aus der fantastischen Weltreise, Veröffentlichung Juni 2026



1. Konferenz des Universums 


Gedankenverloren versteckt sich der Tod in seiner Denkerecke. Er ist verunsichert. Warum sind die Menschen immer mehr gegen mich, wollen mich am liebsten umbringen? Was hat sich verändert? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Früher verschaffte mir der Heldentod Ansehen und ich wurde gefeiert und verehrt. Das war zwar eine zweifelhafte Ehre, aber immerhin gehörte ich dazu. 

Eigentlich bin ich der notwendige Kick des ewigen Kreislaufs. Ohne mich gäbe es auch keine Geburt. Damit sich die Menschengeschichte entwickeln kann, müssen die Menschen dem Lauf der Dinge folgen: sterben-leben-sterben-leben-... Also bin ich ein überaus wichtiges Glied im Weltenlauf! erkennt der Tod voller Freude. Dann wird ihm plötzlich klar: die Menschen möchten ihn aus Augen und Sinn kippen und seine Existenzberechtigung in Frage stellen. Sein Image ist angekratzt, seine Existenz kommt in Bedrängnis und seine Ambitionen werden abgewürgt. Er braucht einen Thinktank für eine Imagekampagne!


Voller Elan eilt der Tod in seine Administration und stellt eine Liste mit Aktionen zusammen. Wie und wo findet er die richtige Unterstützung. Natürlich ist er stärker als die über acht Milliarden auf Menschen der Welt. Es geht aber nicht um Macht oder Machtdemos, sondern um ein selbstverständliches Ziel, das für die Menschen bereichernd und lohnenswert ist. Als Tod wirkt er ja nicht nur auf dem Planeten Erde, sondern in allen Galaxien des Weltalls. Sein Ruf ist vor allem in der Menschenwelt ramponiert. Was bedeutet seine Existenz auf anderen Planeten? Die Ressourcen in diesen Antworten muss er herausfiltern und den Menschen zugänglich machen. 

Um davon zu erfahren, braucht er eine universelle Konferenz. Der gute Ruf des Todes soll zur universellen Chefsache erklärt werden. Dabei ist eine transparente und sinnvolle Zusammenarbeit unabdinglich. Eine Teamleitung mit dem Leben könnte der Sache dienlich sein. 

Als Erstes nimmt der Tod mit dem Leben Verbindung auf, erzählt von seinen Sorgen und Nöten und fragt nach einer Mitarbeit. Das Leben ist begeistert. Natürlich wird es mitmachen und freut sich schon jetzt auf die spannende Zusammenarbeit und die Leitung der Konferenz des Universums. Sofort entwickeln sich die Beiden zum Traumteam des Weltalls. 

Mit folgenden Worten laden der Tod und das Leben zur universellen und intergalaktischen Konferenz ein: Tod & Leben zum Wohl der Welten. Wir brauchen eure Unterstützung, denn auf dem Planet Erde ist die Verbindung von Leben und Tod in Gefahr, wir werden zunehmend auseinandergerissen. 

In Windeseile wird die Einladung per Weltall-Post allen Teilnehmenden zugestellt.

 

Eine grosse Anzahl hochkarätiger Teilnehmenden folgt dem Ruf und erscheint zur Konferenz der Welten. Zahlreiche Lebensteile sind sich ihrer Verantwortung bewusst: das Vertrauen ist gekommen, die Geschwister Lebenslust, Lebensenergie und Lebenswille, die Zwillingen Anfang und Ende des Lebens, auch düstere Lebensteile wie Angst, Verzweiflung, Wut oder helle Lebensteile wie Neugier, Unternehmungsfreude, Durchhaltekraft. Auch Teilnehmende aus anderen Welten sind dabei: Engel und Feen, Geister der Anderswelt,  Götter und Göttinnen aus verschiedenen Orten des Universums, sowie unsichtbare Wesen aus fernen Galaxien.


Auf der Bühne erscheinen der Tod und als Rückendeckung direkt hinter ihm das Leben. Er erhebt seine Stimme: "Liebe Anwesende", "danke, dass ihr alle da seid. Ich bin beunruhigt, denn die Lage wird für mich immer bedrohlicher und ich brauche dringend euern Rat und eure Hilfe. Die Menschen entwickeln immer bessere medizinische Mittel, um mein Wirken zu beeinflussen, meine Aufgabe zu behindern. Angst haben sie seit jeher vor mir, was mich traurig macht, denn ich verehre und liebe die Menschen. Bis zur Erdenzeit der Industrialisierung versuchten sie, meine Existenz in ihr Leben einzubeziehen. Sie lebten mit Traditionen und Ritualen, um mit mir als dem Unvermeidlichen umzugehen. Die Bräuche und Riten gehen nun aber verloren. Die Wirtschaftlichkeit steht über dem Menschsein, über den Ereignissen von Geburt und Tod. 

Unter den Menschen greifen Angst und Panik um sich, die Lage spitzt sich zu. Die Menschen werden zu Gefangenen ihrer eigenen Entwicklung. Ich werde aus dem Leben verdrängt und totgeschwiegen. Bitte helft mir, dass sich die Menschen wieder als Teil ihrer Welt und des Universums wahrnehmen. Sie sollen bewusster ein Teil des Kreislaufs von Leben und Tod sein und vertrauter damit umgehen können. Was brauchen sie, um sich in diesem grossen Wandel von Leben und Tod geborgener und sicherer zu fühlen. Dann stimmt mein Image auch wieder. Bitte äussert eure Meinung."

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2. Generalstreik im Universum


Das Weltall ist im Aufruhr und die Welten sind völlig durcheinander. Nichts stimmt mehr. Die meisten Sterne haben ihre Bahnen verlassen, nur die Sonne und der Mond bleiben, wo sie sind. Zum Glück! Die Weisen der universellen Ordnung sind erleichtert. Wenigstens diese Beiden halten sich noch an die universelle Ordnung. 


Soeben hat das Chaos die Herrschaft übernommen. Es ruft alle Wesen des Universums auf, sich der universellen Ordnung zu widersetzen. "Genug ist genug!" rufen Engel, Feen, Aliens und Weltengeister, "wir streiken." Sofort schallt das Echo von überall her und verbreitet sich in Windeseile im ganzen Universum. In kürzester Zeit hat sich das All der Welten in ein universales Chaos verwandelt. Nichts hat mehr einen angestammten Platz. Niemand kann sich auf irgendetwas verlassen. Es herrscht die uneingeschränkte, totale Freiheit, ohne Einsicht, ohne Vorsicht, ohne Aussicht, ohne Rücksicht.


Weil die Sterne ihre Bahnen verlassen haben, fliegen Elfen, Engel und Ahnengeister kreuz und quer durcheinander. Die Unfälle häufen sich. Unter den Wesen des Universums nehmen Aggressionen und Ohnmacht zu. Die Galaxien setzen sich plötzlich anders zusammen. Durch die veränderten Lichtbahnen blitzt und blinkt der Weltraumschrott in unzähligen Farben. Schon ziehen Wind und Wolken ziellos um die Erde, sogar der Regenbogen weiss nicht mehr, wann wo und wieso er strahlen soll. Ist jetzt alles verloren?


In der Tschilvätterlihöhle, hoch in den Schweizer Bergen, hockt der Höhlengeist und blickt verwundert auf sein Händi. Warum funktioniert es nicht mehr? Er hätte gerne mit dem Bayrischen Wassergeist vom Starnbergersee das Neueste ausgetauscht. Sie kennen sich seit vielen tausend Jahren und besuchen sich jeweils in der Walpurgisnacht und an Halloween. Dann sind auch die weissen weisen Frauen und ihre Geistermädchen unterwegs. Die Menschen nennen sie Hexen. Bei diesen Gedanken huscht ein Lächeln über das Gesicht des Geistes der Tschilvätterlihöhle. Ja, die Menschen! Neugierig guckt er aus seiner Höhle. Er hat eine wundervolle Aussicht auf ein grosses Tal. Verwundert reibt er sich die Augen. Die Menschen rennen verwirrt umher, suchen etwas und finden nichts, reden miteinander und verstehen sich nicht. Der Geist reibt sich die Augen. Was ist da unten los? 


Weil die Sternbilder am Himmel verschwunden sind, haben die Menschen die Orientierung verloren. Sie wissen nicht mehr, wonach sie sich richten sollen. Die Sterne bieten keine Führung mehr an. Wenn die Menschen in den Sternenhimmel blicken, finden sie dort weder Ruhe noch Trost und auch keine Grüsse von ihren AhnInnen. Die Himmelslichter, die ihr Leben massgeblich beeinflussen, sind nicht mehr da, wo sie schon immer waren. Das Leben auf der Erde ist in Gefahr. Die Menschen haben Todesangst, obwohl sie nicht genau wissen, was das ist. Wenn das Licht verschwindet, kommt der Tod. Doch der streikt ebenfalls. Nur wissen das die Menschen nicht.


Der Tod hat beschlossen, dem Streik beizutreten. Er hat genug von den Anfeindungen und Ängsten, die er verbreitet. Das muss sich ändern. Wie das gehen soll, spielt keine Rolle. Wichtig sind jetzt: Revolution, Widerstand, Anarchismus und Aufstand. Das bringt Leben ins Universum. Endlich bewegt sich etwas, endlich entsteht Spannung. Endlich können sich die ewig Unterdrückten, wie  der Tod, Engel und Geister gegen die Weisen der universellen Ordnung auflehnen. Die machen eh alles falsch, halten seit Jahrmillionen an veralteten Traditionen fest und wollen die uralte Ordnung des Universums beibehalten. Der Tod ist überzeugt, er weiss, was er tut, wenn er streikt: "Jetzt sind die Menschen endlich glücklich und haben keine Angst mehr vor mir. Ist das nicht wunderbar?"


Auf der Erde beginnt das Chaos Überhand zu nehmen. Alles gerät aus den Fugen. Die Spitäler sind berstend voll mit PatientInnen, genauso die Sterbehospize, oder die Altersheime. Auf diesem Planeten gibt es immer mehr Menschen, die sterben möchten, aber nicht können. Es funktioniert nicht. In allen Ländern steht irgendwo jemand auf einer Brücke oder einem Turm und möchte hinunterspringen, kann aber nicht. Innert kurzer Zeit gibt es auf der Erde so viele Menschen, dass sie sich gegenseitig die Luft zum Atmen nehmen. Es gibt bald keinen Platz mehr für irgendetwas. Anpflanzen geht nicht, weil überall Menschen herumstehen oder wie halbtote Fliegen herumliegen. Sie sind müde, erschöpft und planlos. Dieses endlose Leben kommt ihnen grundlos, sinnlos und langweilig vor. "Wenn wir wenigstens eine Grenze hätte, nach der wir uns richten könnten, dann wäre es leichter, das Leben zu gestalten." Diese Überzeugung breitet sich zwar schnell aus, bleibt aber ein unerfüllter Wunsch. Und der Tod streikt weiterhin.


Erst jetzt bemerkt der Geist der Tschilvätterlihöhle, dass die Sterne nicht mehr an ihrem Platz sind. Nun ist ihm auch klar, warum sein Händi nicht mehr funktioniert. Zum Glück hat er ganz hinten in der Höhle noch sein uraltes Funkgerät. Dieses wird mit Sternenstaub betrieben und davon gibt es bei dieser Sternenreiserei gerade mehr als genug. Mit seinem Funkgerät kann er nicht nur mit dem Wassergeist vom Starnbergersee kommunizieren, sondern auch mit den Weisen der universellen Ordnung. Und das will er sofort tun, denn irgendetwas läuft falsch bei den Menschen. Er lässt seine flinken Finger auf den Tasten herumhüpfen und wartet und wartet. Da er nur das Besetzzeichen erhält, glaubt er, auch sein Gerät sei Schrott geworden. Dem ist aber nicht so.

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