Die Sache mit dem Tod,  ein anderer Blick auf das Unvermeidliche und die Kunst des Lebens.


Frankfurter Buchmesse 2025

Verlagstalk mit der Autorin, zum Sachbuch 'die Sache mit dem Tod'

https://youtu.be/W0K2kuqY7aw?si=jpgICu0Y-8cV307i


Leseprobe aus: 'die Sache mit dem Tod'


Vom Trauergespräch bis zur Beisetzung 

Wer eine kirchliche Trauerfeier wählt, wird von Pfarrern und Pfarrerinnen informiert und beraten. Sie unterstehen der Pflicht, eine Feier grundsätzlich nach Vorlagen zu gestalten, die sie ausbauen können aber nicht müssen. Letzteres machen nur wenige Pfarrer.

Von der Abdankung meiner Großmutter weiß ich nur noch, dass der Pfarrer ständig von dem Verstorbenen sprach. Er wusste nicht einmal, dass im Sarg eine Frau lag. Es schien ihn nicht zu interessieren. Die Lebensgeschichte erzählte damals meine Mutter, was für alle eine Wohltat war. Bei der reformierten Abdankung meines Onkels sagte die Pfarrerin ständig »im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes« und niemand wusste warum. Die katholische Abdankung meiner Mutter war ein Wortgottesdienst, bei dem einfach ab und zu ihr Name erwähnt wurde. Auf die Anrufungen Gottes durch den Diakon kamen von der Trauergemeinde keine Antworten, weil niemand mehr diese Rituale kannte. Ich hatte die Fürbitten zu Wünschen für die Mutter umgeschrieben. Der Diakon machte - wohl gezwungenermaßen - zusätzlich Fürbitten. Er führte empathisch durch die Feier und tat sein Bestes. Mir schien allerdings, er war selbst nicht glücklich dabei. 


Von keiner dieser Abdankungen ist mir inhaltlich irgendetwas geblieben. Am Ende war einfach alles vorbei, der Sarg im Boden und aus die Maus. Abmarsch ins Restaurant. Stopp! Eine Wohltat ist mir geblieben: Das Geigenspiel meiner Teenager-Nichte und meiner Schwägerin. Ihre Musik hat die Seelen umarmt und das Gefühl einer tiefen Geborgenheit verströmt.


Jede Gemeinschaft, dazu gehören auch Kirchen, hat eigene Rituale, Gewohnheiten und Verhaltensmuster. Bei wichtigen Feiern kommen diese zum Zuge. 

Es gibt Rituale, die auf der ganzen Welt genutzt werden. Kerzen und Wasser sind rund um den Globus wichtige Symbole. Bei einer Beisetzung Erde hinunter fallen zu lassen, war früher ein kirchlicher Brauch und wurde mit dem Spruch »Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub« verbunden. Über den Film kommt dieses Ritual nun wieder auf den Friedhof zurück: jetzt konfessionslos und religionslos, dafür für alle. 


Viele Menschen beginnen erst darüber nachzudenken, wenn eine Entscheidung vor der Türe steht. Das ist völlig normal. Im Trauergespräch werden nicht nur Informationen gesammelt oder ausgetauscht, sondern nebenbei neue Ideen generiert und dafür mögliche Umsetzungen gefunden. Für eine Freie Trauerfeier machen Sie sich vorgängig ein paar Gedanken zum Warum, zu der Frage, was Ihnen dabei wichtig ist und was Sie sicher nicht möchten. Vielleicht wissen Sie nicht so recht, wie Sie sich darauf vorbereiten sollen. Sie können auch einfach zum Gespräch gehen und gucken, was auf Sie zukommt. Dort kommen die Fragen von selbst.


Zu jedem Trauergespräch gehört eine erste, behutsame Trauerbegleitung. Grundsätzlich geht es in diesem Gespräch um gegenseitige Informationen, dem Organisieren und Festhalten von besonderen Wünschen und Bedürfnissen. In diesem geschützten Rahmen dürfen Äußerungen gemacht werden, die der Schweigepflicht unterstehen. Sie dürfen nie an die Öffentlichkeit geraten. Führen Sie kein Trauergespräch mit jemandem, dem oder der Sie nicht vertrauen! Ungute Bauchgefühle sind oft wichtige Anzeiger für »Da stimmt etwas nicht, guck noch einmal genauer hin«. Es könnte sein, dass es mit persönlichen Antipathien zu tun hat oder mit Aussagen, die nicht überzeugen. Vielleicht verschwindet das ungute Bauchgefühl während des Gesprächs. Wenn nicht, bleiben Sie vorsichtig. Vertrauen ist die wichtigste Grundlage für ein gutes Gelingen. Das gilt für jede Form von Abschiedsfeier. Für mich sind Bemerkungen wie »Das hat mir jetzt gut getan« oder »Ich freue mich auf die Trauerfeier« Bestätigungen, dass der eingeschlagene Weg gut und stimmig ist.


Eine Trauerfeier hat die Aufgabe, eine gestorbene Person zu verabschieden, das Ende eines vollendeten Lebens zu feiern und gleichzeitig die Trauernden zu ermutigen, vertrauensvoll den eigenen Lebensweg weiterzugehen. Das ist ein großer Anspruch. Wer unter dem Schock eines plötzlichen Verlustes steht, ist schlichtweg noch nicht fähig, Vertrauen wieder zuzulassen. Es wurde soeben erschüttert. Diese Menschen müssen erst sich selbst wiederfinden. Eine achtsames Trauergespräch und eine empathische Trauerfeier können dabei unterstützen. 



Folgendes muss in einem Trauergespräch geklärt und festgehalten werden:


Informationen sammeln und Abmachungen festhalten:

·    Ort, Daten und Zeiten genau festlegen

·    Namen, Daten der gestorbenen Person

·    Alle Namen des engsten Kreises: Ehemann/Ehefrau, Kinder, Enkel, Geschwister. Vorsicht bei Freunden: entweder alle oder niemanden.

·    Freie Feier: ob und welche spirituelle Ausrichtung         

·    Sammlung von Infos zur Lebensgeschichte

·    Mitwirken von weiteren Personen?

·    weitere Reden mit Redezeitbeschränkung, circa drei Minuten

·    Wünsche und Bedürfnisse?

·    Besonderheiten: zum Beispiel eine Bilderpräsentation, circa drei Minuten

·    Dauer einer Abschiedsfeier: 35 bis 50 Minuten, der Abschied muss ein Ende haben. 

·    Beisetzung vor der Feier oder nach der Feier? Mit allen oder im engsten Kreis?

·    Musikalischer Rahmen, wenn digital circa drei bis vier Minuten pro Stück

·    Rituale erwünscht?

 

Eine Lebensgeschichte ist würdevoller und spannender als ein Lebenslauf. Letzterer gehört zu einer Bewerbung. Ein Lebenslauf in einer Abschiedsfeier wird gerne zur Darstellung einer glorreichen Karriere benutzt. Dabei werden die Einsätze und Verzichte von Ehefrau und Familie vergessen. Ich habe mich manchmal gefragt, ob ein solcher Lebenslauf vielleicht eine Bewerbung für den Eintritt ins Himmelreich sein sollte. 


Die Trauer schert sich nicht um Karriere, sondern sehnt sich nach dem Menschen, der verschwunden ist und nie mehr zurückkommen wird. Eine Lebensgeschichte, nicht der Reihe nach erzählt, verbreitet Trost und Zufriedenheit, lässt Erinnerungen emporsteigen und wohltuende Bilder entstehen. Da und dort darf ein Lächeln übers Gesicht huschen, und die Trauernden können wieder zu Atem kommen. Nach einer persönlichen, wertschätzenden Erzählung aus dem Leben der gestorbenen Person hat sich die Stimmung der Trauergäste meist positiv verändert. Es gehört zum Prozess von Trauerfeier und Beisetzung, dass sich Trauer und Lächeln, Dunkel und Licht abwechseln. Genauso soll es auf dem nachfolgenden Trauerweg weitergehen.


Für meine Freien Trauerfeiern wäge ich jedes einzelne Wort sorgfältig ab und präsentiere möglichst gut ausbalancierte Texte. Dieses Vorgehen ist zeitintensiv. Darum erstelle ich mehrere Grundlagen für verschiedene Feiern, die individuell anpassbar sind. Mit diesen Grundvorbereitungen und trotz über zwanzig Jahren Erfahrung brauche ich für die Vorbereitung und Durchführung einer Freie Trauerfeier im Schnitt zehn Stunden. Diese Arbeit bedeutet für jede Beerdigung dreimal Hochkonzentration: beim Gespräch, beim Verfassen und bei der Durchführung. Der Aufwand für eine Feier von fünfunddreißig bis fünfundvierzig Minuten und einer kleinen Grabmeditation ist groß. Das ist allerdings nur der bezahlbare Teil. Es gibt im freien Markt billige bis hochpreisige Freie Trauerfeiern. Vorläufig ist bei den Billig-Feiern eher Vorsicht geboten. Es könnte aber durchaus eine Perle dabei sein. Einige Abschiedsredner und freie Redner sind sich ihrer Qualitäten nicht bewusst oder lassen sich von lautstarken Profiteuren einschüchtern. Gute Arbeit hat ihren Preis und hinterlässt nachhaltige Eindrücke. Nach einer Abschiedsfeier wären das: wieder mehr Lebensmut und Zuversicht, eine Stärkung der Lebensenergie und Anregungen zum Nachdenken über Tod, Verlust, Verlorensein und Neuanfang.



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