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LeseprobeN

Zeit für dich

Für andere ein Licht anzünden, bringt Leichtigkeit ins Herz.

Wintersonnenwende 

Katja und Denis sitzen am Boden ihres Kinderzimmers und denken über das Sonnenwendfest nach, aus dem später Weihnachten wurde. Warum gibt es wohl diese Feste? "Es geht auf jeden Fall ums Licht", ist Katja überzeugt. "Vor tausenden von Jahren gab es keine Strassenlampen", weiss Denis zu erzählen, "es war in der Nacht einfach stockfinster. Nur, wenn Mond und Sterne am Himmel leuchteten, gab es ein bisschen Licht." Dann fügt Denis hinzu: "Das war, als die Menschen in Höhlen wohnten oder von einem Ort zum andern wanderten." Beide hängen ihren Gedanken nach. Plötzlich sagt Katja: "Dafür konnten sie mit Feen und Engeln sprechen. Das können wir auch. Wir müssen nur aufmerksam sein und genau hinschauen."

Denis und Katja ziehen sich warm an und gehen in die kalte Nacht hinaus. Über ihnen leuchtet ein wunderschöner Sternenhimmel. Verzaubert gucken die Kinder hinauf. Da löst sich leise ein flauschiges Lichtlein, schwebt zu ihnen herunter und setzt sich auf den Strauch neben ihnen. Das Lichtlein blinzelt und flüstert: "Darf ich bei euch sein?" -"Gerne", rufen die Kinder leise, "es freut uns sehr, wenn du bei uns bist. Wie heisst du?" - "Ich bin Funki und ihr seid Denis und Katja" antwortet das Lichtlein und lächelt verschmitzt. Katja und Denis fühlen tief drinnen eine wunderbare Wärme. Funki fragt weiter: "Wann jauchzt und hüpft euer Herz?" - "Wenn wir lachen" rufen die Kinder fröhlich. Im selben Moment verzaubert sie ihr Lachen in zwei flauschige Lichtlein und so schweben sie Funki nach. 

Lautlos gleiten die drei Lichtlein von Fenster zu Fenster und gucken hinein. In einer Stube sehen sie einer Gruppe Erwachsener zu, wie sie Julküchlein und Zimtsterne backen. An einem anderen Ort bauen und basteln Kinder miteinander oder Familien verschmausen ein Fondue. Überall sehen sie zufriedene Gesichter. "Warum wohl sind diese Menschen so zufrieden?" fragt Funki. "Vielleicht weil sie zusammen etwas machen", meint Denis. "Oder weil sie Zeit haben", sagt Katja. Leise schweben sie weiter.

Durchs nächste Fenster sehen sie eine Frau, die traurig und allein in ihrem Lehnstuhl sitzt und Löcher in die Luft starrt. "Wir müssen sie aus dem Haus locken", sagt Denis, "ihr Herz braucht Luft. Aber wie?" Funki schmunzelt und beginnt vor dem Fenster zu hüpfen und zu blinzeln. Bald bewegen sich alle drei Lichtlein durcheinander. Die traurige Frau schaut verwundert zu. 'Was ist das?' denkt sie und öffnet das Fenster. Die drei Lichtlein lächeln sie an und winken ihr. Schnell schlüpft sie in Schuhe und Mantel und eilt hinaus. Dort stehen schon ihre Nachbarn und gucken verzaubert zu ihrem Fenster hinauf. "Das ist eine wunderschöne Idee", sagen sie zur traurigen Frau und ihre Augen beginnen zu leuchten. "Es ist ein Wunder", sagt sie, "es war plötzlich da." Sie lädt die Nachbarn in ihre Stube ein und diese kommen gerne. Auf dem Tisch steht jetzt eine grosse Kerze, die ständig kleine Lichtlein wegspickt. Diese wollen unbedingt aus dem Fenster. Die Frau lässt sie hinaus und ruft: "Fliegt zu Menschen, die traurig und verlassen sind. Bringt ihnen meine Grüsse und sie sollen unbedingt hinaus gehen und ihr Lichtlein finden." Die Nachbarn setzen sich an den Tisch. Lange haben sie die Frau vermisst und sind froh, dass sie herausgekommen ist. Sie füllt die Tassen mit heisser Schokolade und die Nachbarn lächeln ihr zu. Zufrieden schweben die drei Lichtlein weiter.

In einem Hinterhof entdecken sie Eltern, die in Abfallcontainern herumwühlen. Die Familie hat kein Geld und auch keinen Lichterbaum. In den Containern finden sie wenigstens etwas zu essen und überraschen noch ein paar Kerzen. Denis und Katja halten den Atem an. So etwas kennen sie nicht. Dann sagen sie zu Funki: "Bitte, mache ihnen ein schönes Lichterfest!" Funki schaut sie an und sagt: "Das könnt ihr zwei doch selber. Strengt euch an!" Katja und Denis denken kurz nach, schweben ins Kinderzimmer und hüpfen vor den Tränen-Gesichtern der drei Kinder auf und ab. Diese versuchen sie zu fangen und ihr Lachen schallt durchs Haus. Verwundert kommen die Eltern herauf. Schon tanzt die ganze Familie und ihre Herzen hüpfen fröhlich dazu. Nach dem Essen kuscheln sich alle aufs Sofa und sagen: "Wir haben es gut, wir können spielen und lachen." Auf dem Tisch leuchten die Kerzen vom Container. In der Stube wird es wärmer. Wiederum hat sich etwas gewendet. Wieder haben Menschen ihre Herzen aufgemacht und Lichtfünklein hineinfallen lassen. Nun strahlen diese aus ihren Augen. Auch Funki, Katja und Denis leuchten und blinzeln.

"Wisst ihr jetzt, was Sonnenwende bedeutet?" fragt Funki. "Sonnenwende ist, wenn Sonnenstrahlen wieder in die Dunkelheit leuchten", erklärt Katja. "Sonnenwende ist, wenn ein trauriges Herz zu lächeln beginnt", sagt Denis. Glücklich und zufrieden schweben die Kinderlichtlein nach Hause und direkt in ihre Betten. Dort träumen sie vom Flug mit dem Lichtlein.

Wie geht der Traum wohl weiter? Fliege du selber mit dem flauschigen Lichtlein und träume deinen eigenen zauberhaften Lichterflug! Möge er dich durchs neue Jahr begleiten und dir viele magische und wunderbare Erlebnisse bringen. 

Wintersonnenwende 2022

Esther Barandun 

Der Weltenbaum ist ein Wetterbaum und ein Lebensbaum.

Weltenbaum

Fürs Ganze und seine Teile                       unterm Weltenbaum verweile.

Sein Wurzelwerk zum Zentrum strebt,         die Kron' sich weit 'gen Himmel hebt.

Die Blätter künden laut und leise  Botschaften aus dem Weltenkreise. 

Der Weltenbaum lässt alle auf sich leben, Krieg und Frieden die Gerechtigkeit erbeben.   

Auch du bist teil von diesem Baum              sein ew'ges Wirken merkst du kaum.

Neues kommt, Verbrauchtes geht.              Sein Stamm hat einen Ring gedreht.

Der Geist im Baum ist frei verschenkte Liebe, bewahrt die alten und schafft neue Triebe.  

Im Weltenbaum sind Tod und Leben Paare, gelebt wird von der Blüte bis zur Bahre.

Es gibt kein Bleiben, nur Verweilen.                So fügt sich denn das Ganze mit den Teilen.

Der Weltenbaum dich stets im Herzen trägt und so dein Leben füllt und prägt.                                                              

Esther Barandun