Hommage oder Lebensgeschichte
Ein Nachruf auf Christian Ohnsorg
"Du entdeckst keine neuen Weltteile, ohne den Mut zu haben, alle Küsten aus den Augen zu lassen." Erwachsen werden heisst, immer wieder Bekanntes verlassen und sich wieder auf unbekannte Wege einlassen. So entsteht die eigene Lebensgeschicht. Daraus ist nun die Hommage gewachsen.
Am 28. Mai 1925 hat der Lebensweg von Christian Ohnsorg begonnen. Im Kreise seiner Geschwister Annagret, Beni und Jasmin durfte er eine schöne Kindheit erleben. Die Eltern sorgten dafür, dass auch während der Krisen- und Kriegszeiten, ihre Kinder so behütet wie möglich aufwachsen konnten. Christian Ohnsorg lernte Maler.Nach der Ausbildung absolvierte er die RS und danach machte er die Meisterprüfung. Er arbeitete bei verschiedenen Malergeschäften, bis er sich im  1960 selbständig machte. Umsichtig und gewissenhaft führte er das Team seiner Mitarbeitenden und freute sich, wenn seine Kundschaft zufrieden war. Sein Beruf war seine Berufung. Christian Ohnsorg war Maler mit Herz und Seele. Auch nachdem er sein Geschäft an seine Tochter weitergegeben hatte, war für seine treuesten Kunden und Kundinnen weiterhin da.
Auch in den vierziger Jahren hatte die Jugend ihre eigenen Regeln. Klar war sein Töffli frisiert, laut und weit herum hörbar. Das war auch nötig, denn er hatte sie längst entdeckt. Jene Frau, die ihn fesselte und nie mehr losliess. Sie war wohl eher scheu, denn er musste sich schon anstrengen, um ihre Gunst zu erwerben. An jenem berühmten 1. August fasste er sich ein Herz und lud sie ein, mit ihm das grosse Feuerwerk zu bestaunen. Zu seiner grossen Freude sagte sie zu. Leise begann eine grosse Liebe zu wachsen.
Am 1. Juli 1950 läuteten die Hochzeitsglocken für Christian Ohnsorg und Anne Schneider. Ihre Hochzeitsreise führte sie in die Stadt der Liebe, nach Paris. In Olten fanden sie ihr erstes Zuhause. Christian und Anne Ohnsorg freuten sich sehr, als ihre Tochter Marianne und ihre Söhne Thomas und Heinz auf die Welt kamen. Die Familie Ohnsorg zog in eine Wohngenossenschaft nach Basel, wo die Kinder hinter dem Haus einen grossen Spielplatz und eine noch grössere Kinderschar zum Spielen fanden. Sonntags gings auf Wanderschaft, mit Rucksack und Picknick. Als die Kinder im Teenageralter waren, zogen Christian und Anne Ohnsorg alleine los. Beide liebten die Natur, den Duft von Wald und sonnenwarmen Wiesen. Vor der Kinderzeit zelteten sie wild und genossen die Stille abseits von allem Luxus, das kalte Quellwasser oder weite, unberührte Landschaften.
Christian und Anne Ohnsorg hiessen die Schwiegertöchter Luisa und Mierta und den Schwiegersohn Paul in der Familie willkommen. Mit grosser Freude wurden sie stolze Grosseltern von Daniel, Katharian, Claudia und Sven. An vielen Familienfesten sassen alle Generationen zusammen. Dann hatten die Grosseltern stets interessante Ankedoten von Früher zu erzählen. zB jene, als der Vater und Grossvater .....
Mit grösstem Vergnügen gingen Christian und Anne Ohnsorg auf Reisen. Sie besuchten fast alle Hauptstädte von Europa und waren auf den meisten Inseln des Mittelmeeres. Sie genossen die Wärme der Sonne, das Schwimmen im Meer und die unendliche Weite des Wasser. Von vielen Kreuzfahrten kehrten sie mit neuen Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen zurück. Beide waren unternehmungslustig und neugierig.
Christian Ohnsorg interessierste sich für das, was um ihn herum und in der Welt geschah. Täglich las er die Zeitung, hörte Nachrichten und guckte die Tagesschau. Er jasste fürs Leben gern. Danach gab es immer etwas Gutes zu essen und heisse Diskussionen zum Weltgeschehen.
Er hatte weder Händi noch PC. Das überliess er seinen Grosskindern. Er setzte sich lieber zusammen mit seiner Frau aufs Sofa und hörte seinen geliebten Opernsängern zu. Je älter er wurde, desto geruhsamer ging er seinen Weg. Am letzten Sonntag haben sich die Kreise schnell und überraschend geschlossen. Christian Ohnsorg sass in der Abendsonne und hörte den Vögeln zu. Als seine Seele sich gelöst hat und leise weitergeflogen ist. Auf seinem Gesicht ist ein zufriedenes, verschmitztes Lächeln zurückgeblieben.

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